Die Heldenreise im Storytelling

Wie kreative Gründungen ihre Geschichte klar erzählen

Storytelling im Business bedeutet nicht, sich Geschichten auszudenken oder Dramen zu inszenieren. Es geht darum, reale Entwicklungen so zu erzählen, dass andere Menschen sie emotional nachvollziehen können. Im Kern beschreibt eine gute Business-Story immer eine Veränderung: Ein Problem wird sichtbar, eine Entscheidung getroffen, ein Weg gegangen – und etwas ist danach anders als zuvor.

Gerade für kreative Selbstständige ist Storytelling besonders relevant. Viele kreative Gründungen sind erklärungsbedürftig, emotional aufgeladen oder eng mit der eigenen Persönlichkeit verbunden. Menschen kaufen hier nicht nur ein Produkt oder eine Dienstleistung, sondern auch eine Haltung, eine Sicht auf die Welt und oft eine persönliche Motivation.

Mit Storytelling lohnt es sich, sobald eine erste innere Klarheit vorhanden ist – nicht erst, wenn alles perfekt ausgearbeitet ist. Wichtig ist jedoch eine grundlegende Vorarbeit:

  • Zielgruppe: Wer ist die Person, die erreicht werden soll? Was beschäftigt sie emotional?

  • Botschaft: Wofür stehst du? Was ist der Kern deiner Arbeit – in einem Satz?

  • Angebot: Wobei hilfst du konkret? Welches Problem wird gelöst?

Diese Klarheit ist entscheidend, weil Storytelling kein Ersatz für Positionierung ist, sondern sie sichtbar macht. Erst wenn diese Grundlagen stehen, lässt sich ein Storytelling-Konzept sinnvoll einsetzen. Die Heldenreise ist eines der bekanntesten und emotional stärksten Modelle dafür.

Das Storytelling-Konzept: Die Heldenreise

Die Heldenreise ist ein klassisches Erzählmuster, das in Mythen, Filmen und Markenstories immer wieder auftaucht. Im Business-Kontext beschreibt sie eine persönliche oder unternehmerische Entwicklung, die von einem Ausgangsproblem über Herausforderungen zu einer klaren Veränderung führt.

Die Grundidee ist einfach:
Jemand wird mit einer Situation konfrontiert, die so nicht bleiben kann. Es folgt ein innerer oder äußerer Aufbruch, Rückschläge, Lernen – und am Ende eine neue Perspektive oder Rolle.

Im Gründungskontext besteht die Heldenreise typischerweise aus folgenden Phasen:

1. Der Ruf zum Abenteuer
Ein Problem, eine Unzufriedenheit oder eine Beobachtung entsteht.

2. Der Aufbruch
Die Entscheidung, etwas zu verändern oder eine Idee zu verfolgen.

3. Die Prüfungen
Zweifel, Rückschläge, fehlende Klarheit, äußere Widerstände.

4. Der Mentor oder die Unterstützung
Menschen, Erfahrungen oder Erkenntnisse, die Orientierung geben.

5. Der Durchbruch
Erste Erfolge, ein funktionierendes Angebot, Resonanz von außen.

6. Die Rückkehr mit Veränderung
Eine neue Haltung, eine Mission oder ein klarer Nutzen für andere.

Die Heldenreise eignet sich besonders gut, um emotionale Tiefe, Authentizität und Sinn zu transportieren. Weniger geeignet ist sie für rein funktionale Angebote oder stark standardisierte Produkte, bei denen persönliche Motivation keine Rolle spielt.

Vom Konzept zur konkreten Anwendung

Für kreative Selbstständige lässt sich die Heldenreise auf unterschiedliche Weise einsetzen – ohne pathetisch zu wirken.

In der persönlichen Positionierung:

  • Warum hast du begonnen, kreativ zu arbeiten?

  • Was hat dich gestört oder gefehlt, bevor du gestartet bist?

  • Was siehst du heute klarer als früher?

Auf der Website (z. B. About-Seite):

  • Ausgangspunkt: frühere Situation oder innere Spannung

  • Wendepunkt: Entscheidung für die Selbstständigkeit

  • Heute: Wie diese Erfahrung Kund:innen hilft

In Social Media:

  • Kurze Rückblicke auf Zweifel oder Umwege

  • Kleine Lernmomente aus dem Alltag

  • Reflexionen darüber, was sich verändert hat

In der Angebotskommunikation:

  • Nicht nur zeigen, was angeboten wird

  • Sondern warum dieses Angebot entstanden ist

  • Und für wen es heute besonders hilfreich ist

Ein Beispiel aus der Praxis:

Eine Designerin erzählt nicht nur, dass sie Logos gestaltet, sondern beschreibt, wie sie selbst lange Schwierigkeiten hatte, ihre eigene Arbeit klar zu präsentieren – und genau daraus ihr Ansatz entstanden ist, visuelle Identität verständlich zu machen.

Stolpersteine, die du vermeiden kannst

Ein häufiger Fehler ist, die Heldenreise zu dramatisieren. Nicht jede Gründung braucht eine Krise oder einen radikalen Bruch. Auch leise Veränderungen sind glaubwürdig, solange sie ehrlich erzählt werden.

Weitere typische Stolpersteine:

  • Die Gründerperson wird zum Helden, der alles allein schafft

  • Kund:innen kommen in der Geschichte nicht vor

  • Die Story bleibt im Rückblick stecken und zeigt keine Entwicklung

  • Emotion ersetzt Klarheit, statt sie zu ergänzen

Wichtig ist: Die Heldenreise soll Verbindung schaffen, nicht beeindrucken. Sie funktioniert am besten, wenn sie ruhig, reflektiert und nahbar erzählt wird.

Wie es mit Storytelling weitergehen kann

Die Heldenreise ist ein kraftvolles Storytelling-Konzept für kreative Gründungen, die mehr transportieren möchten als Funktionen oder Preise. Sie schafft Orientierung, Vertrauen und emotionale Nähe – wenn sie klar, ehrlich und bewusst eingesetzt wird.

Als Teil einer größeren Storytelling-Landschaft ist sie besonders wirkungsvoll, wenn sie mit anderen Modellen kombiniert wird, etwa mit Problem-Lösung-Stories oder Use-Cases. Storytelling ist kein einmaliger Akt, sondern ein Werkzeug, das mit der eigenen Selbstständigkeit mitwächst.

In den weiteren Artikeln dieser Serie werden die einzelnen Storytelling-Ansätze Schritt für Schritt vertieft – damit du deinen eigenen Stil findest und deine kreative Selbstständigkeit authentisch erzählen kannst.

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